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Wege zur Qualität
Wer hat sich nicht schon einmal dabei ertappt, zu denken: "Die machen auf dem Hügel eh' was sie wollen", "es bringt überhaupt nichts, etwas anzuregen oder als Lehrer, "Waldorfschule wäre ja ganz schön, wenn nur nicht die quälende Konferenzarbeit mit den Kollegen wäre, wo eh' nichts dabei rauskommt und man stundenlang rumsitzt, dabei gibt es so viel für mich zu tun". Beide Haltungen können leicht zur Resignation führen, indem man sich innerlich von der Gemeinschaft verabschiedet, die Motivation für eigenständiges Handeln verliert und alles an vermeintliche Profis oder Spezialisten abgibt. Gleichzeitig haben Eltern aber die berechtigte Frage an die Lehrer oder die Schule: `Ist es richtig, was ihr mit unserem Kind macht? Kann unser Kind auch durch die Schule zu dem werden, was wir für es erhoffen?". In bezug auf die Erziehung der Kinder herrscht zwischen Schule und Eltern eine Doppelzuständigkeit. Die Abgrenzung der Zuständigkeiten ist nicht einfach zu leisten. Ist die Schule ein Raum, für den alleine die Lehrer zuständig sind? Wie sieht es mit der Zuständigkeit der Eltern oder der Schüler selbst aus, wenn sie langsam erwachsen werden? Wenn man die Schule allein unter pädagogischen Gesichtspunkten sieht, wie in der Vergangenheit - als Schutzraum in der Gesellschaft, aus der das hereindrängende Leben zurückgehalten wird, damit sich die Kinder ungestört entwickeln können - man das Leben und z.B. die Anforderungen unserer immer stärker ökonomisch geprägten Lebenswert außen vorlässt -kann man vielleicht diesen Bereich allein den Pädagogen als Spezialisten überlassen. Da wir aber in der Gesellschaft immer stärker das Gefühl haben, alles sei viel zu teuer, insbesondere die traditionellen Non-Profit-Bereiche wie Bildung oder soziale Dienste, werden auch an diese neue Effizienzanforderung- neue Effizienzen gestellt - mit dem kleinsten Aufwand die größtmögliche Wirkung in kurzer Zeit zu erzielen. Wie kann man dabei noch schöpferisch handlungsfähig bleiben, ohne alles über einen Kamm zu scheren? Trotzdem ist die Frage der Gesellschaft oder der Eltern, was geschieht mit den von mir aufgebrachten Geldern, legitim. In der Privatwirtschaft führte ein Versuch diese Frage zu beantworten dazu, normative Planungs-, Organisations-, und Kontrollverfahren wie z.B. die ISO-Norm 9000 zu entwickeln, die im wesentlichen die Qualität eines Produkts in allen seinen Entstehungsschritten prüft und beschreibt.Nun sind aber Menschen keine Gegenstände, mit denen man beliebig umgehen kann, sondern Individualitäten, deren Recht auf Entwicklung und eigene Lebensgestaltung einen Grundpfeiler unserer Gesellschaftsordnung bildet. Die Leistungen, die eine Schule erbringt, muss also den Charakter der Persönlichkeit des Leistungsempfängers in die Leistungsentstehung und Gestaltung direkt mit einbeziehen. Das Leistungsgeschehen wird also durch die Pädagogen und Eltern individualisiert, deshalb wurde von "Wege zur Qualität" der Begriff der Beziehungsdienstleistung geprägt."Wege zur Qualität beschreibt die Bedingungen der Zusammenarbeit einer Aufgabengemeinschaft, (Pädagogen, Eltern, Schüler in der Gesellschaft), unter denen das im Leitbild einer Einrichtung festgelegte allgemeine Handlungsziel immer neu individualisiert werden kann. 12 verschiedene Gestaltungsfelder führen zum Gesamtverständnis der Dynamik einer Leistungsgemeinschaft und bilden die Basis für notwendige Schulungsprozesse, Organbildungen und organisatorische Maßnahmen. (Vergl. Papier der Stiftung "Wege zur Qualität"). Die wichtigsten Aussagen sind in einem entsprechenden Arbeitshandbuch zusammengefasst.Der Ansatz der Qualitätssicherung, -pflege und -entwicklung Wege zur Qualität wurde ab 1995 von Mitarbeitern der anthroposophisch orientierten Heil pädagogik und Sozialtherapie in der Schweiz entwickelt und ist zwischenzeitlich aber auch in anderen Bereichen wie Schulen, Kindergärten, Altersheimen, Therapeutiken und Kliniken wirksam und zugelassen. Zentrales Anliegen des Verfahrens ist es, möglichst alle am Leistungsprozess Beteiligten aktiv in die Qualitätsbemühungen einzubeziehen. Der geleistete Zeitaufwand ist beträchtlich und muss aus bestehenden Kräften heraus geleistet werden. Kollegium, Schulpflegschaft und Vorstand haben im Jahr 2001 beschlossen, diesen Weg zu gehen, um die Schule innerlich neu zu begründen. Dieser Prozess stand und steht für alle Eltern und Vereinsmitglieder offen. In mehreren Donnerstagsterminen und pädagogischen Wochenenden haben wir (Elternvertreter und Kollegen) gemeinsam eine Aufgabenbeschreiung der Schule geleistet, die jetzt in ein fertig formuliertes Leitbild eingeflossen ist. Die Arbeit geschieht teils im Plenum, teils in Gruppenarbeit und es werden Arbeitsgruppen für besondere Aufgaben delegiert. Je 1 Vertreter aus Schulpflegschaft, Kollegium, Vorstand und Geschäftsführung haben an einer Verfahrensschulung teilgenommen und koordinieren die weitere Arbeit, 2 Teilnehmer haben darüber hinaus eine Auditorenausbildung für das Verfahren durchlaufen. Auch Sie können jederzeit in die Arbeit der Neubegründung der Schule mit einsteigen. Im Moment, nachdem das Kernleitbild formuliert ist, ist die Gelegenheit günstig. Unsere nächsten Schritte werden darin bestehen, die jeweiligen Grenzen und Kompetenzen einzelner Organe der Schule zu bestimmen, bzw. adäquatere Organe neu zu schaffen. Wir werden mit den Feldern Freiheit, Können, Vertrauen und Schutz arbeiten. Zentrale Fragen werden sein: Wie muss eine moderne Zusammenarbeitsform gestaltet sein, damit sie nicht dauernd zu Frustrationserlebnissen führt? Wie ermöglichen wir individuelles Handeln für die Gemeinschaft? Wo hat die Gemeinschaft ihr Recht, wo das Individuum?H.-0. Burkhardt |